Rotkehlchen (Erithacus rubecula) hatten unsere 3-wöchige Abwesenheit zur Brut genutzt, das Nest direkt an der Außen-Sofaecke in der Efauhecke. Unsere Heimkehr muss für die sehr territorialen Rotkehlchen eine Provokation gewesen sein. Der Vater (?) versucht gleichzeitig mich (und andere potentielle Gefahren) im Auge zu behalten und vier Kinder im Minutentakt mit Insekten zu versorgen.



Außerdem ist er(?) In der Mauser und sieht ehrlich gesagt etwas erbarmungswürdig aus. Über die Strapazen des Brutgeschäftes schrieb ich vor einigen Jahren schon einmal.
Das andere Elterntier ist scheuer, aber ich sehe es beim Ein- und Ausfliegen und höre das Fauchen der Küken, sobald sich ein Altvogel mit Futter nähert.


Ein schnelles Handyfoto auf Abstand hab ich mir erlaubt, die Qualität ist entsprechend schlecht.
Im Laufe der nächsten Tage verstehen die Alten, dass meine Anwesenheit die Elstern und das sehr aktive Eichhörnchen fern hält und dulden mich ohne Gezeter, fast schon neugierig.

Und eines Morgens, glücklicherweise im Homeoffice, konnte ich durch die Fensterscheibe die Fütterung der Ästlinge außerhalb des Nestes beobachten. Sobald der Altvogel fort war stürzte ich in den Garten, um den Rasi in Urlaub zu schicken, bis die kleinen Federbälle fit genug waren, ihm zu entkommen.


Egal, wo man jetzt im Garten saß, aus irgendeiner Hecke oder einem Strauch kam langgezogenes Bettel-Fiepen, bis ein Rotkehlchen wie aus dem Nichts im Dickicht verschwand, kurzes Fauchen, ein startender Altvogel und Ruhe, für ein paar Minuten. Einmal wurde ich am Komposthaufen übel beschimpft, bis ich sah, dass ein Rotkehlchenküken zu meinen Füßen hockte und alles tat, um unsichtbar zu werden.
Am folgenden Wochenende saßen wir am Frühstückstisch und hörten einen dumpfen, leisen Aufschlag – eines der Küken war vor das Eßzimmerfenster geflogen. Wie traurig, nach all den Mühen der Eltern. Nur ein Viertel bis ein Drittel der Rotkehlchenküken übersteht das erste Jahr. Fensterscheiben, Katzen, Mausefallen, Unfälle beim täglichen Baden und Frostnächte – es gibt viele Lebensgefahren im Leben eines Rotkehlchens.
In den folgenden Tagen konnten wir beobachten, wie die Kleinen, noch ohne rote Kehle, immer sicherer flogen – bis sie den Garten verlassen hatten. Glück auf!
