Gäste zu Mitbewohnern

Einst musste der alte Gartenteich aus Gründen der Kindersicherheit weichen und wurde mit Sand verfüllt. 13 Jahre später schaufelten die ehemaligen Nutzer sieben Tonnen Spielsand in einen Container und halfen mir, alte Folienreste durch neue zu ersetzen. So konnten bis zu den Sommerferien viele neue Bewohner im Garten einziehen. Und das ging viel schneller, als ich erwartet hatte!

Eben noch Sambesi-Delta, Burggraben und Off-Road-Trail für schwere Baumaschinen – und im nächsten Moment wieder ein gewöhnlicher Teich.

Zuerst zogen einige Pflanzen ein. Die hatte ich mir einfach in der Dorf-Gruppe besorgt, mehrere nette Menschen boten mir an, in ihrem Teich auszusuchen, was ich gebrauchen kann. Diese Pflanzen kämpfen um die Besiedelung des neuen Lebensraumes:

Die Krebsschere (Stratiotes aloides) hat sogar noch geblüht.
  • Tannenwedel (Hippuris vulgares)
  • Pfennigkraut Lysimachia nummularia
  • Sumpf-Blutauge (Comarum Palustre)
  • Herzförmiges Hechtkraut (Pontederia cordata)
  • Seekanne (Nymphoides peltata)
  • Schlangenwurz (Calla palustris)
  • Blaugrüne Binse (Junius inflexus)
  • Schwertbinse (Junius ensifolius)
  • Krebsschere (Stratiotes aloides)
Das Sumpf-Blutauge (Comarum palustre) ist als Botschafterin der bedrohten Moore „Blume des Jahres“.

Das Sumpf-Blutauge kannte ich schon aus Skandinavien, es ist bei uns inzwischen eher selten und ist 2025 Blume des Jahres der Loki-Schmidt-Stiftung. Diesen Titel trug auch die Krebsschere schon. Eine Großlibelle, die Grüne Mosaikjungfer, ist an ihre Blätter gebunden und daher inzwischen selten.

Eine männliche Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshnea cyanea) – im Flug gar nicht so leicht zu erwischen.

Es war eine knappe Woche Wasser in der Mulde und ich hatte gerade die ersten Ableger hineingesetzt, da schwirrten schon verschiedene Libellen um das neue Gewässer. Großlibellen wie der Vierfleck und die Blaugrüne Mosaikjungfer. Besonders gefreut habe ich mich über die Große Königslibelle, die sich direkt bei der Eiablage fotografieren ließ. Kleine Granataugen warteten auf passende Weibchen, während es bei der Hufeisen-Azurjungfer direkt zur Sache ging.

  • Vierfleck, Libellula quadrimaculata,
  • Große Königslibelle, Anax imperator,
  • Pokaljungfer, Erythromma lindenii
  • Kleines Granatauge, Erythromma viridulum
  • Große Pechlibelle, Ischnura elegans
  • Blaugrüne Mosaikjungfer – war schon mal Mitbewohner des Monats bei mir.
  • Hufeisen-Azurjungfer, Coenagrion puella
  • Große Heidelibelle, Sympetrum striolatum
  • Gemeine Weidenjungfer, Chalcolestes viridis
Die Große Königslibelle (Anax imperator). Ein Weibchen ließ sich bei der Eiablage nicht stören. Jetzt darf ich die teils abgeknickt ins Wasser hängenden Pflanzenteile der neuen Wasserpflanzen nicht entfernen – sie hat ihre Eier hineingelegt.

Falls jemand die Libellen an seinem Teich besser kennen lernen möchte – dieses Heft ist der Knaller: Da hat jemand wirklich alle in Deutschland fliegenden Libellen in männlicher und weiblicher Form, oft noch im Jugendkleid fotografiert und verglichen und außerdem die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale markiert. Wahnsinnige Arbeit, tolle Hilfe, gerade für Einsteiger wie mich :-).: https://www.libellen.tv/libellen-handbuch.html

Stahlblauer X-Wing: eine männliche Pokaljungfer (Erythromma lindenii) mit smaragdblauen Augen auf Brautschau.
Das Kleine Granatauge (Erythromma viridulum) hat leuchtend rote Augen. Mehrere Männchen stritten um die Vorherrschaft.
Fast ein Herz: Das Paarungsrad der Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella). Ist aber weniger romantisch als man meinen könnte.
Die Gemeine Weidenjungfer (Chalcolestes viridis) erschien erst Mitte September.
Die Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum), männlich, sitzt an. Er frisst Mücken und Bremsen. Herzlich willkommen im Garten :-).
Dieser auffällige Dauerschwimmer entpuppte sich nach Bestimmung als Gemeiner Furschenschwimmer (Acilius sulcatus). Er kann gut fliegen, vielleicht ist er aber auch mit einer der Pflanzen eingezogen. Er ist ein Männchen, die Weibchen haben andere Flügeldecken, ich habe aber noch andere Exemplare gesehen. Da die Käfer mit dem Hinterteil an der Wasserobfläche Luft schnappen müssen, sind sie gut zu beobachten. Sie leben räuberisch und fressen hoffentlich viele Mückenlarven, die tummelten sich nämlich wenige Tage nach der Befüllung auch schon sehr ordentlich.
Zurück aus dem 3-wöchigen Urlaub ging der erste Weg zum Teich. Unter anderem zeigte sich dieser gefährliche Räuber: Beängstigend- wenn man eine Mückenlarve ist. Davon gab es glücklicherweise nur noch einzelne. Es ist die fast erwachsene, knapp 3 cm lange Larve des Gemeinen Furchenschwimmers.
Ein Rückenschwimmer, vielleicht der Gemeine Rückenschwimmer Notonecta glauca. (Es gibt in Deutschland 6 Arten) Die Tiere können stechen und werden deshalb auch „Wasserbiene“ genannt. Sie gehören zu den Wanzen und jagen im Wasser kleine Tiere. Dieser hier hängt zum Atmen mit dem Bauch nach oben an der Wasseroberfläche.
Den Wasserläufer konnte die App nicht bestimmen – und ich schon gar nicht. Er räumt die Insekten weg, die sich auf der Wasseroberfläche abgestürzt sind.

Die Posthornschnecke (Planorbarius corneus) saß auf einer der Krebsscheren und durfte mit umziehen. Sie trägt einige Kindheitserinnerungen in den neuen Teich. Erstmals trafen wir uns an den Bombentrichterteichen meiner Grundschulzeit, wo ich mit Freunden Molche und Frösche fing…

Die Gemeine Schlammschnecke (Ampullaceana balthica) – man kann ihr auf dem Foto in die augen sehen. Diese Lungenschencke muss zum Atmen an die Wasseroberfläche. Sie hängt dann mit dem Fuß an der Kahmhaut des Wassers. Im Notfall kann sie durch Muskelbewegung die Dichte anpassen und schnell sinken.
Binsenschmuckzikaden (Cicadella viridis) gibt es im Naturschutzgebiet, den feuchten Hemmerder Wiesen – und jetzt auch im Garten.

Jetzt warte ich natürlich gespannt, welche größeren Räuber im Teich einziehen. Bergmolche haben bisher nur überwintert, genau wie Erdkröten und Laubfrösche. Ob sie den neuen Teich als Kinderstube annehmen?

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